Das Pommersche Wörterbuch

Die wechselvolle Geschichte des Pommerschen Wörterbuchs, das seit 1999 wieder an der Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald beheimatet ist, reicht bis weit in das 20. Jahrhundert zurück und erzählt von Höhen und Tiefen, Verlusten und Neuanfängen. 

 

Das bereits 1925 durch Wolfgang Stammler in Greifswald gegründete großlandschaftliche Wörterbuch widmet sich der Erfassung und Dokumentation des Wortschatzes der niederdeutschen (plattdeutschen) Mundarten Pommerns und füllt damit einen letzten weißen Fleck aus auf der Landkarte der Dialektwörterbücher, die den deutschen Sprachraum heute nahezu flächendeckend erfassen. 
Den ersten großen Einschnitt für das Vorhaben markierte der Zweite Weltkrieg, der zum Verlust fast des gesamten bis dahin gesammelten Materials führte. So ging etwa die Masse der 1945 nach Lübeck ausgelagerten Archivbestände verloren. Nur zufällig konnten wenigstens noch einige von den Archivzetteln gerettet werden, die sich in der Privatwohnung des zeitweiligen Leiters Kurt Mischke in der Nähe von Greifswald befanden und dort in der Nachkriegszeit zunächst als willkommenes Schreibpapier für die dörfliche Bevölkerung und die Schulkinder genutzt wurden. 
Ein Neuanfang war also unausweichlich und wurde ab 1947 unter der Leitung von Hans Friedrich Rosenfeld engagiert vorangetrieben. Fragebogen wurden versandt, zahllose Mundartsprecher interviewt, Tonbandaufnahmen getätigt. Diese Anstrengungen ließen das Archiv rasch anwachsen, das gegen Ende der sechziger Jahre trotz der Schwierigkeiten bei der Suche nach Gewährsleuten aus dem ehemaligen Hinterpommern schließlich die eindrucksvolle Zahl von ca. 1,2 Millionen Belegzetteln erreichte. Diese Belegzettel sind die wichtigste Grundlage für die Erarbeitung der insgesamt etwa 60.000 Wortartikel für das PWB. Diese von den Gewährspersonen ausgefüllten Zettel haben das Format DIN A7. Eine kleine Auswahl von ihnen zum Lemma „Schnack“ (leeres Gerede, Geschwätz) bietet der folgende Link.

Die politische Situation in der DDR war für das Wörterbuch allerdings von vornherein ungünstig. Schließlich mussten sogar alle Arbeiten am 1952 umbenannten “Niederdeutschen Wörterbuch” 1969 eingestellt werden. Damit schien das endgültige Aus besiegelt zu sein. Nur dem Geschick der Leiterin des PWB ab 1967, Renate Herrmann-Winter, ist es zu verdanken, dass die Archivbestände unversehrt in Greifswald bleiben konnten. Die deutsche Wiedervereinigung bot dann die Chance, das Vorhaben erneut zu etablieren. 1992 konnte die Arbeitsstelle zuerst bei der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig wieder eingerichtet werden, seit 1999 ist sie vollständig in die Obhut des Landes Mecklenburg-Vorpommern übergegangen und hat an der Greifswalder Alma Mater ihre neue und zugleich alte Heimat gefunden. 
Der erste Band (A-K) des insgesamt auf zwei Bände angelegten und in einzelnen Lieferungen beim Akademie-Verlag in Berlin (herausgegeben von Renate Herrmann-Winter und Matthias Vollmer) erscheinenden Dialektwörterbuches konnte Ende 2007 fertiggestellt werden. Mittlerweile sind die ersten acht Lieferungen des zweiten Bandes (L – sörreher) erschienen.

Nach Möglichkeit ergänzen Karten die einzelnen Lieferungen, wobei alleine 14 Lautkarten in der ersten Lieferung wichtige Aspekte der Lautgeographie Pommerns darstellen und gleichzeitig die Wortartikel von entsprechenden Informationen entlasten. Eine Wort‑ und eine Lautkarte sind über den folgenden Link einsehbar.

Literatur: 
Herrmann-Winter, Renate (1998): Zur Geschichte der Dialektgeographie in Pommern. In: Ivo Asmus et al. (Hg.): Geographische und historische Beiträge zur Landeskunde Pommerns. Eginhard Wegner zum 80. Geburtstag. S. 299-304.

Herrmann-Winter, Renate (1999): Das Pommersche Wörterbuch. Vorläufer – Ansätze –Konzepte. In: Roderich Schmidt (Hg.): Tausend Jahre pommersche Geschichte. Köln u.a., S. 281-306. 

Herrmann-Winter, Renate (2013): Sprachatlas für Rügen und die vorpommersche Küste. Rostock. 

Vollmer, Matthias (2008): Zur pommerschen Dialektlexikographie. Kosegartens Wörterbuch der niederdeutschen Sprache älterer und neuerer Zeit. In: Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung, Bd. 131, S. 113-132.

Archivkästen des Pommerschen Wörterbuchs