Markus Gärtner

Arbeitsbereich:
Ältere deutsche Sprache und Literatur
 
Betreuer : Prof. Dr. Monika Unzeitig
 
Arbeitstitel :
Weltdarstellung in Text und Bild enzyklopädischer Drucke zwischen 1450 - 1500
 
Abstract:
Noch bevor es die Technik erlaubt, die Erdgestalt direkt wahrzunehmen, existieren Vorstellungen zu deren Gestalt und Lage innerhalb des Kosmos. In allen Jahrhunderten haben sich Menschen aus geographischer, theologischer oder physikalischer Sichtweise der Gestalt des Kosmos und der Erde genähert, wobei tradiertes Wissen und gelehrte Spekulationen übernommen und mit neuen Erkenntnissen und religiösen Ansichten versehen werden. Mit der Erfindung der beweglichen Lettern Mitte des 15. Jahrhunderts entsteht ein neues Medium, das nach und nach die handschriftliche Tradierung von Wissen ablöst und zu einem Medienwandel führt, bei dem die Bedeutung der Handschrift immer mehr in den Hintergrund rückt. Die Schnittstelle zwischen dem Übergang von Handschrift und Druck bietet die Möglichkeit, Transferprozesse sichtbar zu machen und Vorstellungskonzepte und Darstellungskonzeptionen von Weltdarstellungen, also der konkreten Beschreibung und Darstellung von Erde und Kosmos, auf textlicher und bildlicher Ebene vergleichend zu untersuchen sowie bereits existierende Traditionen und Neugestaltungen im Druck herauszuarbeiten. Ausgehend von der Annahme, dass Transferprozesse stattfinden, die vorhandene ikonographische und textliche Traditionen übernehmen, selektieren, erweitern oder gänzlich neu erschaffen, was sich wiederum auch in einem spezifischen Text-Bild-Verhältnis äußert, möchte sich das Dissertationsvorhaben in vergleichenden Analysen mit der schriftlichen und bildlichen Darstellung des Kosmos und der Erde in enzyklopädischen und chronikalen Texten zwischen 1450 und 1500 befassen. Traditionen und Transformationen in den jeweiligen Werken sollen in Text und Bild herausgearbeitet und miteinander in ein Verhältnis gesetzt werden, sodass Gemeinsamkeiten erkannt und neue Text- und Bilddiskurse deutlich gemacht werden.
Die Materialbasis der Untersuchung bilden gedruckte, deutschsprachige und lateinische Wissenstexte aus der Zeit zwischen 1450 und 1500. Die Analyse wird sich auf Drucke aus dem norddeutschen bzw. niederdeutschen Sprachraum konzentrieren.
 
Förderung: Landesgraduiertenförderung aus Landesmitteln (ab April 2016)