Dr. Peter C. Pohl

Arbeitsgebiet: Neuere deutsche Literatur

 

Geplanter Abschluss: 2018

 

Arbeitstitel: Kreation des Selbst. ›Freie Zeiten‹ und die Erfindung der Kreativität in Humanwissenschaften und im Bildungsroman (1750-1820)

Inhalt des Projekts ist eine wissensgeschichtliche Analyse exemplarischer Bildungsromane von der Spätaufklärung bis zur Spätromantik. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Modellierung ›freier Zeiten‹ in Literatur und Wissenschaften, die, dies die forschungsleitende These, zur Erfindung künstlerischer und infantiler Kreativität und damit zur Kreation des modernen Selbst ›um 1800‹ beitrugen. Das Projekt verfolgt hauptsächlich drei Ziele: Da die literaturgeschichtlich und gattungstheoretisch zentralen Fragen zum Bildungsroman erstmals auf der Folie der Transformationen des Wissens in Ästhetik, Pädagogik und Ökonomie verhandelt werden, soll die philologische Diskussion um Sinn und Möglichkeit eines Gattungsbegriffs Bildungsroman neu aufgerollt werden. Sodann stellt das Projekt, das ästhetische und wissenschaftliche Modellierungen von episodischer Autonomie aufeinander bezieht, Erkenntnisse über die von Michel Foucault und Friedrich A. Kittler postulierte ›Erfindung des Menschen‹ um 1800 in Aussicht. Es fokussiert nicht nur auf den Einfluss ökonomischer und pädagogischer Problemlagen und Erkenntnisse auf die Plotmuster und Figurenkonzeptionen in den Romanen, sondern auch auf die imaginativen, figurativen und narrativen Aspekte in der wissenschaftlichen Formierung individuellen Lebens in der Moderne, für das Kreativität zur conditio sine qua non wird. Schließlich sollen von dieser Forschung wissensgeschichtliche Impulse zu den aktuellen Debatten um Bildung, Kreativität und das Verhältnis von Arbeit und Muße ausgehen.