Annett Busch (Trondheim): Vor den Verhältnissen – Wie lässt sich schreiben an Zohra Drif, Algerien? Ein Brief von Hélène Cixous

Hélène Cixous schreibt, nicht einen Brief, den sie nie geschrieben hat, an Zohra Drif. Der nicht geschriebene Brief ist Anlass eines Schreibens, das seine Form in der Schwebe hält. Fakten aufruft und Erinnerungen. Zohra Drif ist Anwältin im Ruhestand in Algier. Bekannt wurde sie als Mitglied einer Gruppe von Frauen, die während des Befreiungskrieges gegen Frankreich Bomben an populären öffentlichen Orten platzierte, etwa im Café, der berühmten Milchbar, 1956. Cixous schreibt von Zohra Drif als einer Frau, für die sie Bewunderung hegt. Von Entscheidungen und deren Konsequenzen, einem Leben, das für sie keine Option hätte sein können. Sie kennt Zohra Drif vom Schulhof, konnte aber nicht Teil einer Gruppe algerischer Mädchen werden, wonach sie sich sehnte. Eine unmöglich zu realisierende Flucht vor und gegen die Verhältnisse. Durch die Aktion, die Tat. Aktion, die sich für Cixous später im Denken, im Schreiben realisieren wird, für Drif im Protest, im Argument, im Organisieren, im Gerichtssaal.

Annett Busch arbeitet als freie Autorin, Redakteurin und Kuratorin. Sie co-kuratiert derzeit das mulitlokale Forschungs- und Ausstellungsprojekt Women on Aeroplanes, ein Projekt des Iwalewahaus Bayreuth, in Zusammenarbeit mit dem Museum of Modern Art Warschau, The Showroom in London und dem Center for Contemporary Art in Lagos (2017-2019). In diesem Kontext co-editierte sie eine Reihe von „Inflight“ Magazinen. Zuletzt gab sie das Buch „After Year Zero — Geographies of Collaborations“ (2015) heraus (zusammen mit Anselm Franke).

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Organisator

  • Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung (IZfG)

Veranstaltungsort

  • Hörsaal, Deutsche Philologie
    Institut für Deutsche Philologie, Rubenowstraße 3
    17489 Greifswald

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