Karen&Becky&Kevin&Lisa: Vornamen als Sprachideologie und soziale Registrierung (Prof. Dr. phil. Theresa Heyd, Greifswald)

Einladung zum digitalen Vortrag 
der Gesellschaft für deutsche Sprache (Zweigstelle Greifswald)

Karen&Becky&Kevin&Lisa:
Namen als Sprachideologie und soziale Registrierung 
(Prof. Dr. phil. Theresa Heyd, Universtität Greifswald)

am 12. Januar 2021, 16:00- 17:00 Uhr 
über Jitsi

Namen sind besondere linguistische Objekte. Ob und wie Namen Bedeutung tragen, ist in der Sprachphilosophie eine Kontroverse mit langer Tradition. Aus soziolinguistischer Sicht erscheint diese Frage unzweifelhaft: Mit Namen, und insbesondere Vornamen, verbinden wir assoziative, emotionale und soziale Bedeutung. Wir können das zum Beispiel am Konsum von populärwissenschaftlichen (und manchmal regelrecht esoterischen) Namensratgebern für werdende Eltern ablesen. Die soziale Bedeutung von Vornamen ist aber insbesondere auch im Bereich von systemischer Diskriminierung empirisch nachgewiesen: sozial stigmatisierte oder rassifizierte Vornamen führen zu schlechteren Noten in Schule und Studium, zu manifester Diskriminierung auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt.

In diesem Vortrag beleuchten wir eine soziolinguistische Praxis im Umgang mit Vornamen genauer, die in jüngerer Zeit insbesondere durch digitale Sprachpraxis weite Verbreitung gefunden hat, nämlich die Zuschreibung von stereotypisierten Vornamen von außen. Dabei werden (echte oder imaginierte) Personen mit Vornamen angesprochen, referenziert oder anderweitig belegt, die nicht ihre eigenen sind. Manchmal handelt es sich dabei um ad hoc-Verwendungen in wiederkehrenden Konstruktionen („wie so ein NAME“; „ein echter NAME“; „ok NAME“; etc.). Andere Namenszuschreibungen sind deutlich stärker kanonisiert und gehen teilweise auf spezifische Communities of Practice zurück, zum Beispiel Karen im African American English oder Namensstereotype wie Chad und Stacy in der Incel- Community.

Ein aktuelles Beispiel aus dem deutschen Sprachraum ist die Stereotypisierung von Lisa im Sprachgebrauch von Studierenden und Schüler*innen. Manchmal um Attribute wie Lisa aus Australien oder Pferdelisa ergänzt, dient das soziale Stereotyp Lisa zur Parodie von jungen Frauen, die als privilegiert, uninformiert und unangenehm gezeichnet werden. Oft kommt dabei eine semantische Dimension von Mehrsprachigkeit und globaler Mobilität hinzu: so praktiziert Lisa nach einem Auslandsaufenthalt ein aufdringliches Code-Switching zwischen Deutsch und Englisch. Die sprachliche Stereotypisierung von Lisa bietet somit ein gutes Fallbeispiel, um die soziale Zuschreibung von Vornamen genauer zu beleuchten und soziolinguistisch zu untersuchen. Den theoretischen Rahmen bildet dabei das Konzept der sozialen Registrierung (enregisterment; Agha 2003) und seine Bedeutung für sprachliche Variation und Sprachideologien (Eckert 2008). In der Diskussion werden wir unter anderem auf die soziale Registrierung von Gender, aber auch von Diskursen zu Mobilität und Ein- und Mehrsprachigkeit eingehen.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Vortragseinladung (PDF)


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