Prof. Dr. Klaus Oschema (Bochum): Die Zukunft der ganzen Welt. Spätmittelalterliche Judicia anni und die Ordnung des Wissens über die Zukunft

Dem gegenüber will dieser Vortrag einen Bereich in den Fokus rücken, der unmittelbar auf die Produktion von Wissen über die Zukunft ausgerichtet ist, aber von der Forschung weithin vernachlässigt wird: astrologische Texte. Einen beispielhaften Einblick eröffnen die sogenannten «Judicia anni» (oder Jahresprognostiken), die insbesondere im 15. Jahrhundert weit rezipiert wurden und zu den frühesten gedruckten Texten gehören. Judicia anni sind als «Gebrauchsliteratur» einzuschätzen, deren Inhalt zukünftige Ereignisse und Entwicklungen prognostiziert. Wenngleich sie damit der Geschichtswissenschaft, anders als Chroniken oder Urkunden, nicht als unmittelbare Lieferanten von Information über Geschehenes dienen können, eröffnen sie doch reichhaltige Einblicke in die Vorstellungswelten der betreffenden Zeit: Wie nahm man die Welt wahr? Welche Orte, Institutionen und Gegenstände betrachtete man als wichtig genug, um einschlägige Prognosen abzugeben? Welche Vorstellungen, Erwartungen und Ängste hatte man gegenüber der Zukunft?
Der Vortrag möchte zunächst die Relevanz dieser Fragestellungen aufzeigen, um dann an ausgewählten Beispielen exemplarische Einblicke in die Struktur und Inhalte dieser bislang kaum bearbeiteten Texte zu geben.

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Organisator

  • Mittelalterzentrum

Veranstaltungsort

  • Altes Audimax, Hörsaal 2
    Rubenowstraße 1
    17489 Greifswald

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