BMFTR-Projekt „Kommunikative Herstellung von Biodiversität“

Prof. Dr. Klaus Wolfgang Kesselheim

Arbeitsbereich: Germanistische Sprachwissenschaft
 

BMFTR-Projekt „Kommunikative Herstellung von Biodiversität“

  • Teil des Verbundprojekts „Blühende Vielfalt, gesunde Zukunft“ (eine Kooperation des Friedrich-Löffler-Instituts und der Universität Greifswald) und der T!Raum-Initiative One-Health-Region Vorpommern
  • Gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
  • Förderdauer: April 2026 bis Oktober 2027

Im Projekt „Kommunikative Herstellung von Biodiversität“ untersuchen wir mit den Mitteln der linguistischen Gesprächsanalyse, wie Menschen Vorstellungen von Biodiversität entwickeln, wenn sie direkt mit natürlicher Vielfalt in Berührung kommen, und wie sie diese Vorstellungen in der Kommunikation mit anderen teilen.

Im Bereich der Linguistik knüpfen wir dazu an die Ökolinguistik an, die sich mit Themen wie Atomenergie, Nachhaltigkeit oder Klimawandel beschäftigt hat. Während die Ökolinguistik aber vor allem mit massenmedialen Daten arbeitet, wollen wir uns mit Kommunikation unter Anwesenden beschäftigen. Ein zweiter Anknüpfungspunkt ist die konversationsanalytische Forschung zur Multisensorialität. Wir untersuchen, wie gemeinsam sinnliche Erfahrungen gemacht (und geteilt) werden und wie diese in dem Konzept „Biodiversität“ verdichtet werden. Unsere Datengrundlage sind Videodaten authentischer Interaktionen auf unserem Blühacker. Zusätzlich wollen wir uns aber von Methoden der multidisziplinären Forschung zu Naturerfahrungen inspirieren lassen, die aus biologischer, humangeografischer oder soziologischer Perspektive durchgeführt worden ist.

Die Berührung mit natürlicher Vielfalt, von der eingangs die Rede war, geschieht auf einem ca. drei Hektar großen „Blühacker“ in der Nähe des Standbads Eldena. Dieser Blühacker ist eine Landwirtschaftsfläche, die wir so umgestalten, dass sie möglichst attraktiv für viele Wildbienenarten ist. Hier wird es eine bunte Reihe von Veranstaltungen geben: vom gemeinsamen Bau eines Nisthügels und Totholzbereichs über interaktive Führungen, Citizen-Science-Bestimmungen von bienenrelevanten Blühpflanzen usw., in denen möglichst unterschiedliche Zielgruppen direkte sinnliche Erfahrungen mit Natur machen können.

Dass das alles gar nicht mehr ‚linguistisch klingt’, ist kein Wunder. Tatsächlich ist das Projekt Teil des interdisziplinären Verbundprojekts „Blühende Vielfalt, gesunde Zukunft“, in dem wir mit Honig- und Wildbienenforschern und drüber hinaus mit dem Bauernverband Ostvorpommern und der Greifswalder Agrarinitiative zusammenarbeiten. Als Mitglied der T!Raum-Initiative One-Health-Region Vorpommern verfolgt dieses Verbundprojekt Ziele, die über die Erarbeitung wissenschaftlicher Erkenntnisse hinausgehen. Es geht auch und vor allem darum zu erproben, wie die Umgestaltung von landwirtschaftlichen Fläche zu Biodiversitätsflächen so durchgeführt werden kann, dass sie nachhaltiges bürgerliches Engagement hervorbringt und sich für die beteiligten Landwirte auch finanziell trägt. Unser Fernziel ist es, damit zu einer dauerhaften Transformation der Region Vorpommern im Sinne des One-Health-Gedankens beizutragen: die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt zusammen denken!