Aza Gleichmann

Arbeitsbereich: Germanistiche Sprachwissenschaft
 
Betreuerin: Prof. Dr. Christina Gansel
 

Arbeitstitel
Textsortennetz und Wissenskonstituierung in rechtlicher Kommunikation
 
Abstract
Recht regelt das Zusammenleben der Menschen in der demokratischen Gesellschaft. Dabei ist Recht nicht objektiv gegeben, sondern wird erst mittels Sprache konstituiert. Die Lebenssachverhalte werden erst dann rechtlich relevant, wenn sie sprachlich gefasst werden, sie mit bestimmten Ausdrücken und Ausdruckkomplexen bezeichnet und benannt werden. Auch Normtexte (Richtlinien, Gesetze, Staatsverträge, Verordnungen, Satzungen) und Gerichtsentscheidungen existieren in Form von komplexen sprachlichen Zeichen, die Texte. Als Texte werden Einheiten betrachtet, die eine bestimmte thematische und grammatische Struktur und (mindestens) eine kommunikative Funktion aufweisen (vgl. Gansel 2007: 51). Im Prozess der juristischen Tätigkeit werden Texte rezipiert, miteinander verknüpft und dabei neue produziert. Texte und ihre Vernetzungen tragen zur Konstituierung von überindividuellem Wissen bei, das den Untersuchungsgegenstand meines Dissertationsprojektes darstellt. Das Promotionsprojekt mit dem Titel Textsortennetz und Wissenskonstituierung in rechtlicher Kommunikation setzt sich mit den thematisch, funktional und medial zusammenhängenden Texten zu Rundfunkgebühren sowie ihrer Abstraktion, Diskurs und mit der diskursiven Konstituierung von Wissen im Recht auseinander. Es verfolgt das Ziel, am Beispiel der Rundfunkgebühren aufzuzeigen, wie mittels Sprache Wissen in rechtlicher Kommunikation konstituiert wird. Um dieses Ziel zu erreichen, modelliert das Dissertationsprojekt den Prozess der Wissenskonstituierung, wobei es interdisziplinär vorgeht und die bereits bestehenden text-, diskurs- und medienlinguistischen Methoden unter Beachtung der Erkenntnisse von Gesellschaftstheorie und Rechtsmethodik in Beziehung setzt und sie weiterentwickelt. So wird die Wissenskonstituierung als ein Prozess dargestellt, in dem Textsorten beteiligt sind, die neben textinternen Funktionen auch textexterne Funktionen übernehmen. Weitere Analysekategorien in diesem Prozess sind inter- und hypertextuelle Beziehungen zwischen den Texten verschiedener Textsorten, „semantische Kämpfe“, Argumentationsstrukturen sowie sprachliche Mittel des Geltungsanspruchs.