Philipp Ohnesorge, M.A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Foto: privat

Arbeitsbereich Neuere Deutsche Literatur und Literaturtheorie
Institut für deutsche Philologie
Rubenowstraße 3 - Raum 3.13
17487 Greifswald

Telefon: +49 3834 420 3422
Telefax: +49 3834 420 3432
philipp.ohnesorgeuni-greifswaldde

 

Sprechzeit im Sommersemester 2021

Mittwochs, 16:00-17:00 Uhr

Die Sprechzeit erreichen Sie telefonisch oder digital über diesen Jitsi-Link.

Vita
seit 2019 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie an der Universität Greifswald
2018 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Prof. Dr. Moritz Baßler (Germanistisches Institut, Westfälische Wilhelms-Universität Münster)
2017–2018 Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl Prof. Dr. Moritz Baßler (Germanistisches Institut, Westfälische Wilhelms-Universität Münster)
2014–2018 Studium der Kulturpoetik der Literatur und Medien an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Master of Arts)
2008–2014 Studium der Germanistik und Philosophie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Bachelor of Arts).
1987 geboren in Osnabrück
Lehre

D - Roland Barthes - S/Z (Seminar)  📖

D - Textanalyse: Literatur und Gespenster (Seminar)  📖

Forschung
  • Geschichte und Theorie des Realismus
  • Literaturtheorie (Strukturalismus)
  • Historizität in der Gegenwartsliteratur
  • Tendenzen der Literatur des 21. Jahrhunderts (Postironie, New Sincerity etc.)
  • Pop-Kultur und das Archiv
Mitgliedschaften

Planungsgruppe Netzwerk „Populäres Archivieren“

Dissertationsprojekt

Verfahren der Heimsuchung. Gespenster des Realismus nach der Digitalisierung

Betreuer: Prof. Dr. Eckhard Schumacher (Greifswald, Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie)

„Heimsuchung, das war das Wort, das sich aufdrängte. Rückkehr ins Gedächtnis, Befreiung aus der Verschüttung. Unverhoffte Bergung.“ In dem Moment, in dem ein 2019 erschienener Roman wie Miami Punk von Juan S. Guse poetologisch wird, muss er seinen eigenen Souveränitätsverlust eingestehen: ‚Heimsuchung‘ ist nicht nur ein möglicher Weg erzählerischer Darstellung, sondern drängt sich auf – wie die Äußerung eines frei über sein Material verfügenden Erzählers mit den herkömmlich-mimetischen Ambitionen eines realistischen Romanprojekts mutet das nicht mehr an. Stattdessen wird dem Material selbst hier gewissermaßen die agency zugestanden, sich aus der Virtualität heraus als Spuk zu materialisieren. Was bedeutet das für ein Erzählen, das sich – „AUF DEM WEG ZUR WIRKLICHKEIT“ (Guse) oder etwa im Fall von Kathrin Röggla als „Sichabarbeiten an der Realität“ („Deckerzählung“, 2020) – in der Tradition literarisch-realistischer Anliegen entwirft?
Nun stehen realistische Schreibweisen nicht erst seit Roland Barthes‘ Diktum des „Erbrechens der Stereotypen“ auf dem Prüfstand, müssen sich hinterfragen und rechtfertigen – die Möglichkeit, Welt so darzustellen, ‚wie sie wirklich ist‘, steht allerspätestens mit der Theoriebildung des Poststrukturalismus zur Debatte. Zweifel und Reflexionsversuche begleiten das Projekt realistischer mimesis jedoch schon seit dem 19. Jhd. (vgl. etwa Begemann 2013). Anliegen des Dissertationsprojekts ist es, solche Momente anhand einer Analyse gespenstischer Elemente in den Fokus zu nehmen.

Lektüren realistischer Gegenwartsprosa – Gegenstand der Arbeit sind Texte wie Terézia Moras Das Ungeheuer (2013), Kathrin Rögglas Nachtsendung. Unheimliche Geschichten (2016) oder eben Guses Miami Punk – sollen so ein „Verfahren der Heimsuchung“ beschreibbar machen. Hierzu soll einerseits eine literaturwissenschaftliche Aktualisierung des Verfahrensbegriffs ausgehend von formalistischer Theoriebildung (vgl. Šklovskij 1917) fruchtbar gemacht werden, andererseits Heimsuchung als textuelles Phänomen in den Fokus rücken, das von der Theoretisierung von Schrift und Spur in Jacques Derridas Grammatologie (1967) bis zu seiner Formulierung einer hantologie reicht, wenn es 1993 in Marx’ Gespenster heißt: „Die Heimsuchung gehört zur Struktur jeder Hegemonie“ – dies gilt auch für die semiotischen Hegemonien realistischer Darstellung, die Wirklichkeit als Frames und Scripts des Bekannten begreift.

Gerade aus dieser Verbindung motivischer und theoretischer Konzepte entsteht hier die besondere Sensibilität für historisch-kontextuelle Gegebenheiten und Bedingungen eines „Verfahrens der Heimsuchung“: Aus der unabdingbaren Mitreflexion der lebensweltlichen und medialen Umgebung einer Post-Digitalität (vgl. Cramer 2014) entsteht eine geschärfte Perspektive auf die Risse in Textproduktion, Worldbuilding und Vermittlung nach der Digitalisierung, die den Gespenstern und ihren Begleitphänomenen den Einfall in ‚die Wirklichkeit‘ ermöglichen – eben wie eine „Rückkehr ins Gedächtnis, Befreiung aus der Verschüttung. Unverhoffte Bergung.“

Vorträge und Publikationen

Vorträge

  • „The future is still human“. Narrative Möglichkeitsräume eines anthologischen Verfahrens zwischen Ideologie und Utopie in Electric Dreams (2017). – Workshop: Anthologieserie. Systematik und Geschichte eines narrativen Formats, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, 28. Februar-1. März 2019, 1. März 2019.
  • Whither Realism? New Sincerity als Frage nach einem Realismus der Postmoderne. – Tagung: EAM Conference 2018 „Realisms of the Avant-Garde“ des European Network vor Avant-Garde and Modernism Studies, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, 5.-7. September 2018, 7. September 2018.
  • „Time is out of joint“ – Infinite Jest and the ghosts of the postmodern. – Tagung: 4th Annual David Foster Wallace Conference, Illinois State University Normal/IL, 8.-10. Juni 2017, 8. Juni 2017.

Aufsätze

  • mit Philipp Pabst und Hannah Zipfel: "Whither Realism? New Sincerity – Realismus der Gegenwart". In: Moritz Baßler u.a. (Hg.): Realisms of the Avant-Garde. Berlin und Boston 2020. S. 603-618.