Der Mensch im digitalen Zeitalter: Linguistische Perspektiven
Eine Vorlesungsreihe

Kommende Veranstaltungen

Prof. Dr. Eva Gredel (Universität Duisburg-Essen) Wikipedia und (digitale) Diskurse: Online-Enzyklopädie des freien Wissens oder Ort von Desinformation, KI-Generaten und Biases? Digitaler Vortrag am 28.04.2026, 14:30–16:00 Uhr |
Ein Vierteljahrhundert nach ihrer Gründung ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia mit ihren mehr als 340 Sprachversionen, Millionen von Einträgen sowie Tausenden von ehrenamtlichen Autor:innen als digitales Nachschlagewerk in der „Kultur der Digitalität“ (Stalder 2016) etabliert. In der Berichterstattung rund um das 25. Jubiläum der Online-Enzyklopädie findet sich allerdings nicht nur Lob („Danke, liebe Schwarmintelligenz“, Faust 2025), sondern auch Kritik und Sorge: Neben Desinformationen sowie Interdependenzen der Wikipedia mit (halluzinierenden) KI-Tools fürchten Nutzer:innen auch die tendenziöse Darstellung online-enzyklopädischer Inhalte in Form von Biases (Dernbach 2026). Diese neue Aktualität und Relevanz der Aushandlung von Wissen im Netz und insbesondere in der Wikipedia sind Ausgangspunkt des Vortrags. Im Fokus stehen dann Diskurse in und über die Wikipedia sowie Aspekte kollaborativer Textproduktion in der Online-Enzyklopädie. Zunächst wird die Wikipedia nicht nur als Nachschlagewerk, sondern auch als digitaler Diskursraum mit einem hypertext-basierten Aufbau vorgestellt (Pentzold 2007, Beyersdorff 2011, Gredel 2020). Der Vortrag fragt dann nach methodischen Zugängen, die es erlauben, die kollaborative Textproduktion sowie die perspektivische Sachverhaltskonstitution im digitalen Diskurs der Wikipedia empirisch fundiert zu analysieren (Gredel 2018). An konkreten Beispielen wird zudem illustriert, welche Dynamiken digitale Diskurse in Wikipedia aufweisen können (u.a. Gredel 2022) und wie dort Regeln und Aspekte kollaborativer Textproduktion ausgehandelt werden (Gredel 2025). Kurzbiographie Eva Gredel ist Juniorprofessorin mit Tenure Track für Germanistische Linguistik mit dem Schwerpunkt „Digitale Kommunikation in Vermittlungskontexten“ an der Universität Duisburg-Essen. Im Jahr 2014 hat sie ihre Dissertation zur korpusgestützten Analyse metaphorischer Muster zum Diskursobjekt Virus abgeschlossen (summa cum laude). Ihre aktuellen Forschungsaktivitäten sind im Bereich der linguistischen und interdisziplinären Bildungs- und Digitalisierungsforschung angesiedelt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Analyse digitaler Diskurse. Sie ist Leiterin der Forschungsplattform „Bildung in der digitalen Welt“ am Interdisziplinären Zentrum für Bildungsforschung der Universität Duisburg-Essen und hat 2022 ihre Habilitation zur digitalen Kollaboration in Wikipedia abgeschlossen. Literatur und Quellen Beyersdorff, M. (2011): Wer definiert Wissen? Wissensaushandlungsprozesse bei kontrovers diskutierten Themen in „Wikipedia – Die freie Enzyklopädie“ – Eine Diskursanalyse am Beispiel der Homöopathie. Münster. Dernbach, C. (2026): Wikipedia mit 25 Jahren unter Druck. In: Mannheimer Morgen (Ausgabe vom 14.01.2026). URL: www.mannheimer-morgen.de/ratgeber_artikel,-multimedia-wikipedia-mit-25-unter-druck-durch-ki-konkurrenz-_arid,2352077.html Faust, L. (2025): Wikipedia wird 25 Jahre alt. Danke, liebe Schwarmintelligenz. In: taz (Ausgabe vom 25.10.2025). URL: taz.de/Wikipedia-wird-25-Jahre/!6119767/ Gredel, E. (2018): Itis-Kombinatorik auf den Diskussionsseiten der Wikipedia: Ein Wortbildungsmuster zur diskursiven Normierung in der kollaborativen Wissenskonstruktion. In: Zeitschrift für Angewandte Linguistik 68 (1), 35–72. Gredel, E. (2020): Digitale Diskursanalysen: Das Beispiel Wikipedia. In: Marx, K./ Lobin, H./ Schmidt, A. (Hrsg.): Deutsch in Sozialen Medien. Interaktiv, multimodal, vielfältig. Jahrbuch des Instituts für Deutsche Sprache 2019. Berlin/ Boston. 247–264. Gredel, E. (2022): Diskursdynamiken zum Gender Bias in der Online-Enzyklopädie Wikipedia. In: Deutsche Sprache 3/2022 (Sonderheft: Diskursive Dynamiken). 196–213. Gredel, E. (2025): Normen sprachlicher Höflichkeit im Spannungsfeld von Egalität und Ad-hoc-Meritokratie. Reflexion zu Normen demokratischer Kommunikationskultur anhand von Wikipedia-Korpora. In: Beißwenger, M./ Schildhauer, P./ Gredel E. (Hrsg.): Die Kultur der Digitalität im Spiegel von Sprach- und Mediendidaktik (= SLLD 20). Pentzold, C. (2007): Wikipedia. Diskussionsraum und Informationsspeicher im neuen Netz. München. Stalder, F. (2016): Kultur der Digitalität. Berlin. |
Prof. Dr. Florian Busch (Universität Bern) Mobile Schreibprozesse: Textrevisionen im Online-Offline-Nexus Vortrag am 12.05.2026, 18:00–20:00 Uhr, im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg |

Das Schreiben am Smartphone nimmt einen zentralen Stellenwert in der Schriftkultur digitaler Gesellschaften ein. Übergangsmomente im Alltag werden für kurze schriftliche Interaktionen genutzt, etwa um unterwegs auf Textnachrichten zu reagieren. Der Vortrag untersucht solche Schreibprozesse und stellt hierfür Überarbeitungspraktiken in den Fokus, die Einblicke in die mikrostrukturelle Organisation mobilen Schreibens geben. Vorgestellt werden Ergebnisse zweier Studien aus der deutschsprachigen Schweiz, die mithilfe von Screen Captures, Eye-Tracking, Keylogging und Videographie zeigen, wie Revisionen durch interaktionale Orientierung und körperliche Einbettung in Offline-Situationen geprägt sind. Kurzbiographie Florian Busch ist Assistenzprofessor für Diskurs- und interaktionale Linguistik am Institut für Germanistik der Universität Bern. Er wurde an der Universität Hamburg promoviert und war als Visiting Scholar am MIT tätig. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen digitale Kommunikation, Schriftlinguistik, Interaktionsanalyse sowie kritische Diskursforschung. Sein aktuelles Forschungsprojekt «Texting in Time» wird durch den Schweizerischen Nationalfond gefördert und untersucht den Sprachgebrauch alltäglicher Smartphone-Kommunikation in der deutschsprachigen Schweiz und Deutschland. |
Vergangene Veranstaltungen
| Referent:innen | Vortragstitel | Datum | Link zur Veranstaltung |
| Prof. Dr. Noah Bubenhofer (Universität Zürich) | Was lehrt uns KI über Sprache und Gesellschaft? | 25.06.2025 | Veranstaltungsseite beim Krupp Kolleg |
| Prof. Dr. Eva-Maria Jakobs (Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen) | Schreiben im Beruf. Von E-Mail bis ChatGPT | 29.05.2024 | Veranstaltungsseite beim Krupp Kolleg |
| Prof. Dr. Konstanze Marx (Universität Greifswald) & Prof. Dr. Simon Meier-Vieracker (Technische Universität Dresden) | 22MONATE – linguistisch gelesen | 14.11.2022 | Veranstaltungsseite beim Krupp Kolleg |
| Anne & Ulrich Neustadt | 22MONATE | 28.10.2022 | Veranstaltungsseite beim Krupp Kolleg |
| Prof. Dr. Wilfried Honekamp (Hochschule Stralsund) | Textmining im forensischen Umfeld | 27.10.2021 | Veranstaltungsseite beim Krupp Kolleg |
| Dr. Sylvia Jaki (Universität Hildesheim) | Hate Speech in sozialen Medien – Fallstudien und Gegenmaßnahmen | 09.06.2021 | Veranstaltungsseite beim Krupp Kolleg |
| Prof. Dr. Jannis Androutsopoulos (Universität Hamburg) | Kontextualisierung digital: Menschen, Zeichen und Algorithmen in der vernetzten Interaktion | 07.04.2021 | Veranstaltungsseite beim Krupp Kolleg |
| Prof. Dr. Alexander Lasch (Technische Universität Dresden) | Das muss doch mal [Xer] kommuniziert werden | 09.12.2020 | Veranstaltungsseite beim Krupp Kolleg |
| Prof. Dr. Katrin Lehnen (Universität Gießen) | „I wish I could touch you“ – Kommunikation, Emotion und Intimität in Zeiten von Siri, Alexa und anderen (lernenden) Maschinen | 28.10.2020 | Veranstaltungsseite beim Krupp Kolleg |
| Prof. Dr. Michael Beißwenger (Universität Duisburg-Essen) | Handeln mit Emojis – eine linguistische Perspektive auf den Beitrag kleiner Bildzeichen zur digitalen Alltagskommunikation | 20.11.2019 | Veranstaltungsseite beim Krupp Kolleg |
| Prof. Dr. Konstanze Marx (Universität Greifswald) | Der Mensch im digitalen Zeitalter: Linguistische Perspektiven | 14.10.2019 | Veranstaltungsseite beim Krupp Kolleg |