Barbara Denicolò (Innsbruck): Essbare Tiere? Tiere essen im Mittelalter

Dr. Barbara Denicolò (Innsbruck)

Welche Tiere galten im Mittelalter als essbar – und was bestimmte, ob sie tatsächlich auf den Tisch kamen? Der Vortrag untersucht den Verzehr von Tieren als kulturelle Praxis, in der sich Ernährungsbedürfnisse, religiöse Vorschriften, soziale Unterschiede und Vorstellungen vom Verhältnis zwischen Mensch und Tier verbanden.

Ausgangspunkt ist die Frage, warum Menschen im Mittelalter Tiere aßen, wie sie den Fleischverzehr begründeten und welche Gegenstimmen oder Alternativen es gab. Dabei werden unterschiedliche Formen des Fleischverzichts und ihre religiösen, gesundheitlichen oder wirtschaftlichen Zusammenhänge berücksichtigt. Anschließend richtet sich der Blick auf die gesellschaftliche Bedeutung von Fleisch: Wie prägten sozialer Status, Verfügbarkeit und kulturelle Wertvorstellungen den Zugang zu tierischer Nahrung? Welche Rolle spielte Fleisch für die Darstellung von Wohlstand, Zugehörigkeit und Rang?

Anhand von Rezepten und weiteren historischen Quellen aus dem Alpenraum stellt der Vortrag schließlich Tiere vor, die als essbar galten, heute jedoch kaum mehr mit Ernährung in Verbindung gebracht werden. Dabei wird zwischen kulinarischen Möglichkeiten, normativen Vorstellungen und nachweisbarer Verzehrpraxis unterschieden. Die Quellen eröffnen so einen Blick auf ein breiteres Spektrum tierischer Nahrung, als heutige Ernährungsgewohnheiten vermuten lassen, und laden dazu ein, die historisch wandelbaren Grenzen des Essbaren zu hinterfragen.

Kontakt: Dr. Florian Schmid (florian.schmiduni-greifswaldde)

Teilnahme über folgenden Link:https://webconference.uibk.ac.at/rooms/iju-sia-lc1