Mit dieser Popcorn-Vorlesung begeben wir uns gemeinsam auf intermediale Seefahrtsabenteuer, in drei Ansätzen oder: Eskalationsstufen. Ist Seefahrt an sich schon gefährlich, so ist besonders der Beruf des Matrosen seit jeher mit Freiheit, Abenteuer, Fernweh, Begehren, Gewalt und einer Vielzahl von Männlichkeitsklischees assoziiert. Noch komplizierter wird es, wenn man „Matrösin“ werden möchte, wie Jenny in Judith Schalanskys Roman „Blau steht dir nicht“. Mit den Piraten wird die Gefahr der Seefahrt noch einmal gesteigert. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts sucht die Figur des "genialischen Seeräubers" (Max Weber) die Vorstellungswelten der Abenteuerliteratur und der Herrschaftssoziologie gleichermaßen heim. Gerade mit dem langsamen Verschwinden der tatsächlichen Piraterie beginnt jedoch die große Zeit der Piraten und Piratinnen in der Literatur. In der Hierarchie der Gefährlichkeit stehen die Seeungeheuer ganz oben. Zugleich sind sie noch phantastischer und irrealer als die Piraten und Matrösinnen. So zeigt sich von den Naturkunden und Seekarten der Frühen Neuzeit zu B-Movies, dem Tierhorror-Genre und Mainstream-Piraten-Filmen eine erstaunliche Kontinuität und anhaltende Faszination für Seeungeheuer, die angeblich ganze Schiffe versenken können.
Sie können diesen „Schiffbruch mit Zuschauer“ (Blumenberg) jedoch ganz bequem mit Popcorn genießen.
