Prof. Dr. Nikolas Koch/Dr. Rebecca Zabel: Sprachlernende, Lernersprachen und neue Sprachwelten. Popcorn & Vorlesung zum Jubiläumsjahr

Popcornvorlesungen anlässlich des Jubiläumsjahres des Instituts

Was passiert eigentlich, wenn Menschen eine neue Sprache lernen – und dabei ganz eigene Sprachwelten erschaffen? Warum sagen Lernende manchmal Dinge wie „Ich habe fertig“, und wir verstehen trotzdem genau, was damit gemeint ist? Solche Äußerungen wirken auf den ersten Blick wie Fehler und sind doch gleichzeitig erstaunlich verständlich.

In dieser Popcorn-Vorlesung nehmen wir solche Phänomene zum Ausgangspunkt und werfen einen Blick auf sogenannte Lernersprachen – die kreativen, manchmal überraschenden und oft systematischen Zwischenstufen auf dem Weg zur neuen Sprache. Wir hören ungewöhnliche Sprachbeispiele, entschlüsseln kuriose Aussagen und probieren selbst aus, wie eng unsere Sprachen im Kopf miteinander vernetzt sind. Dabei geht es nicht um vermeintliche Fehler, sondern um die Frage, was sich darin über das Gehirn, über Mehrsprachigkeit und über die Funktionsweise von Sprache zeigt. Im Mittelpunkt steht, wie sich sprachliche Muster herausbilden, wie Sprachen sich gegenseitig beeinflussen und was das für das Lernen und Lehren von Deutsch als Zweit- und Fremdsprache bedeutet.

Diese Perspektive führt weiter zu der Frage, wie wir selbst über Sprache und Zugehörigkeit denken. Indem wir „Sprache“ mit dem Attribut „fremd“ verknüpfen, unterscheiden wir zwischen Menschen, die „Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache“ lernen, und sogenannten „Muttersprachlern“. Auch institutionelle Arrangements wie die sogenannte DaZ-Klasse, die als Vorbereitung auf die „Regelklasse“ gilt, oder Integrationskurse für Erwachsene machen solche Unterscheidungen sichtbar. Solche Differenzierungen sind eng mit Vorstellungen von Zugehörigkeit verbunden – etwa mit der Idee, dass eine Nation, eine Kultur oder eine Gemeinschaft jeweils durch genau eine Sprache geprägt sei. Doch wie erleben Menschen, die Deutsch als weitere Sprache lernen, solche Einteilungen, und wie werden diese vielleicht auch hinterfragt oder neu gedacht?

Freuen Sie sich auf kleine Experimente, überraschende Aha-Momente und einen neuen Blick auf Sprache – vielleicht auch auf Ihre eigene. Popcorn ausdrücklich erwünscht.

Organisator

Veranstaltungsort

  • Rubenowstraße 3, Hörsaal