Aktuelles - Wat jüst so los is

Martha Müller-Grählert-Preis 2025 für Ulrike Stern

Im Rahmen des 27. Shantychortreffens verlieh die Stadt Zingst am 13. September 2025 den Martha-Müllert-Grählert-Preis an Ulrike Stern (KND) für besonderes Engagement bei der Pflege und Weitergabe der plattdeutschen Sprache.

Der Preis wurde erstmalig dotiert vergeben. „Dat kratzt mi sihr un freut mi düchtig”, so die Preisträgerin. Das Preisgeld wird für die Unterstützung studentischer Projekte eingesetzt werden.

Auf den Spuren der Niederdeutschvermittlung in Brasilien 2025

Pommerschunterricht in einer Grundschule im Bundesstaat Espirito Santo. Heute: De Farwen.

Kein Weg ist zu weit, um die niederdeutsche Sprache zu erforschen, in Austausch zu treten und Möglichkeiten der Sprachvermittlung auszuloten. Im März 2025 verbrachte deshalb das Team des Kompetenzzentrums für Niederdeutschdidaktik der Universität Greifswald (KND) zehn intensive Tage in Brasilien. Prof. Dr. Birte Arendt und ihre beiden Mitarbeiterinnen Ulrike Stern und Antje Köpnick folgten damit endlich den Einladungen brasilianischer Gastwissenschaftler*innen. Sie setzen sich mit großem Engagement für Erhalt, Ko-Offizialisierung und Vermittlung des Pomerano (Pommersch) in brasilianischen Schulen ein. Dabei handelt es sich um eine Varietät der niederdeutschen Sprache, die auf die Einwanderung von Familien aus Pommern in Mittel- und Südbrasilien im 19. Jahrhundert zurückgeht und heute noch von ca. etwa 250.000 Menschen gesprochen wird.

Die erste Station der Reise war der Bundesstaat Espírito Santo nördlich von São Paulo. An der Universidade Federal de Espírito Santo (UFES) in Vitória wurden wir vom Rektor der Universität und zahlreichen Mitarbeiter*innen unterschiedlicher Institute offiziell empfangen. Als Ergebnis der Gespräche wurde eine zukünftige Kooperation zwischen der Universität Greifswald und der UFES vereinbart, die die weitere Zusammenarbeit und den sowohl personellen als auch fachlichen Austausch von Lehrenden und Studierenden ermöglicht.

Ein spannendes Programm mit zahlreichen Kontakten und Gesprächen erwarteten uns in der Region Espírito Santo: In einem Workshop mit etwa 30 Lehrkräfte präsentierten wir unsere didaktischen Materialien, niederdeutsche Literatur und unsere Konzepte für die Digitalisierung in der Niederdeutschvermittlung. Beim Besuch mehrerer Schulen konnten wir einen Eindruck von der Lebendigkeit des Pomerano als Familiensprache bekommen und im Pommerschunterricht hospitieren. Gesang und Tanz, Theater, pommersches Essen und reger Austausch erwarteten uns auch bei einer ganztägigen Veranstaltung im „Waiandts Huus“, einem Begegnungszentrum und Freilichtmuseum der pommerschen Kultur und Bauweise. Zu nennen wäre auch die Fahrt zu der sehr engagierten Familie Boldt nach Belém, die für uns ihr Haus und ein kleines Museum zur pommerschen Einwanderung öffnete, ein Ausflug zur ältesten evangelisch-lutheranischen Kirche und beeindruckende Friedhöfe mit deutschen, aber auch pommerschen Inschriften. Und die Verständigungssprache: Plattdeutsch.

Nach fünf Tagen flog das KND-Team weiter in den südlichsten Bundesstaat Rio Grande do Sul, wo wir zunächst einen Vortrag für Deutschstudierende und -dozierende an der dortigen Universität in Porto Alegre hielten, um anschließend mit Kolleg*innen die Stadt zu entdecken. Weitere vier Stunden Fahrt weiter südlich, in Pelotas (nahe Uruguay), besuchten wir die Universidade Federal de Pelotas (UFPEL), deren geisteswissenschaftliche Fakultät in einem ehemaligen Schlachthaus untergebracht ist, und konnten in einem Vortrag viele interessierte Deutschstudierenden für die Arbeit des KND begeistern, Forschungsfragen mit Kolleg*innen diskutieren und Pläne für die Zukunft schmieden. Auch in der Region Pelotas gestalteten wir einen großen Workshop mit mehr als 30 Pommersch-Lehrkräften, die ihrerseits Materialien für die Pomerano-Vermittlung vorstellten. Nach zehn Tagen waren die Koffer und Köpfe voll mit Eindrücken und der Gewissheit, das dies nicht die letzten Besuche waren.

Platt för junge Lüd

Projekt des Bundesrates für Niederdeutsch immer offen für Teilnehmende

Sich mit Gleichaltrigen vernetzen, sich mit anderen über Plattdeutsch unterhalten oder auch einfach außerhalb der Schule die ersten niederdeutschen Sprechversuche machen - bei den online-meetings "Junge Lüd ünner sik" für Menschen unter 40 ist alles möglich und erwünscht. Darüber hinaus werden Werkstätten und Klönrunden angeboten.

Informationen zum Projekt "Platt för junge Lüd" auf der Website des Niederdeutschsekretariats und des Bundesrates für Niederdeutsch