Andrea Werner

Ronja von Rönne [@sudelheft]: Instagram (26.05.2020). https://www.instagram.com/p/CAqCoPSHopz/?utm_source=ig_web
Max Höfler © max höfler, garfield trummer & co (Veröffentlichung im Printmedium)

Arbeitsbereich: Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie
 
Betreuer: Prof. Dr. Eckhard Schumacher
 
Arbeitstitel
„Ich teile das, weil das die Realität ist“ – Zur Medialität und Ästhetik des Autor*innenfotos unter postdigitalen Bedingungen

Abstract
„Der Literaturbetrieb ist“, wie Marc Reichwein 2019 im Feuilleton der Welt bemerkt, „ein visuelles Regime, das ganz auf die Präsenz von Personen setzt: vom Autorenfoto auf dem Buchumschlag bis zum Interview auf dem ‚Blauen Sofa‘, vom Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis bis zum Instagram-Account“. Obwohl das Dichtertum an sich zunächst „eine gesichtslose Arbeit“ ist, da sich die Autorin oder der Autor zum Schreiben „aus der sozialen wie aus der medialen Welt ausblendet“ (Walter Grasskamp), bedarf es dennoch der öffentlichen Aufmerksamkeit, um als Schriftstellerin oder Schriftsteller erfolgreich zu sein. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Bildnis, dessen Bildsprache genau wie die Schreibweise eines literarischen Textes medialen und kulturellen Wandlungsprozessen unterliegt und diese zugleich hervorbringt. Wie bereits im 19. Jahrhundert mit der Entwicklung fotografischer Verfahren schon das Autor*innenfoto „die Bildtraditionen der Autorendarstellung“ nicht bruchlos fortsetzt (Matthias Bickenbach), so führt auch die Digitalisierung zu grundlegenden Veränderungen visueller Paratexte.


Gegenwärtig erscheint vor allem Instagram als der Ort, der für die Auseinandersetzung mit dem eigenen Bild von besonderer Bedeutung ist. Um zu zeigen, wie Schriftstellerinnen und Schriftsteller in den Sozialen Medien ein Selbst entwerfen und präsentieren, nimmt die interdisziplinäre Arbeit ausgewählte Autor*innenfotos, die auf Instagram veröffentlicht wurden, exemplarisch in den Blick. Ziel der Analyse ist es, die medialen und ästhetischen Besonderheiten herauszuarbeiten, die die fotografische Selbstdarstellung der Autor*innen auf der bildbasierten Plattform als eine neue Phase der visuellen Inszenierung von Autorschaft erscheinen lassen und damit die Vorstellungen und Erwartungen vom Dichterdasein hinterfragen. Von besonderem Interesse ist dabei eine Funktionalisierung, die das Selfie über die Aufgaben des herkömmlichen Autor*innenfotos hinaus erfährt und die eine bloße Statusmeldung übersteigen. Die Analyse setzt fotografische Verfahren, Mediensysteme und unterschiedliche Bildmedien zueinander in Beziehung und arbeitet anhand von kulturwissenschaftlichen sowie soziologischen Ansätzen verschiedene Deutungsperspektiven heraus.