Tagungsprojekt „Die Gegenwart der Romantik“. Jahrestagung der Friedrich-Schlegel-Gesellschaft 2023

Tagung: „Die Gegenwart der Romantik. Zeitreflexion und literarische Intervention um und nach 1800“

Jahrestagung der Friedrich-Schlegel-Gesellschaft, 18.-20. September 2023, Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswaldung: „Die Gegenwart der Romantik. Zeitreflexion und literarische Intervention um und nach 1800“

Konzeption: Prof. Dr. Klaus Birnstiel, Prof. Dr. Eckhard Schumacher, Universität Greifswald

„Die Französische Revolution, Fichtes Wissenschaftslehre, und Goethes Meister sind die größten Tendenzen des Zeitalters. Wer an dieser Zusammenstellung Anstoß nimmt, wem keine Revolution wichtig scheinen kann, die nicht laut und materiell ist, der hat sich noch nicht auf den hohen weiten Standpunkt der Geschichte der Menschheit erhoben.“ Was Friedrich Schlegel hier im 216. Athenaeums-Fragment formuliert, bringt auf den Punkt, wie sehr die Romantik an Zeitfragen ihrer Gegenwart interessiert war. Weit davon entfernt, sich angesichts der schockartigen Modernisierungseffekte um 1800 von ihrer Gegenwart grundsätzlich zu distanzieren und etwa einer Wiederkehr längst überkommener kultureller Konfigurationen der Vergangenheit das Wort zu reden, hat die Romantik, haben die Romantiker lebendigen Anteil an ihrer Gegenwart genommen. Folgt man Schlegels Bemerkung, dann ging es der Romantik gerade nicht darum, die „Tendenzen des Zeitalters“ abzuweisen, sondern sie intellektuell zu durchdringen und Angebote zur Fortentwicklung der geistigen und kulturellen Situation der Zeit zu entwickeln. Romantik als „Fortschritt“ und „zweite[n] Impuls der europäischen Moderne“ (Matuschek) zu begreifen, bedeutet in diesem Sinne, sich vor Augen zu führen, wie sehr sich die Romantik mit ihrer eigenen Gegenwart auseinandergesetzt, auf diese reagiert und in sie interveniert hat. Zu erinnern ist an Karl Heinz Bohrers Hinweis, es sei „eine der nicht mehr rückgängig zu machenden Entdeckungen der deutschen Frühromantik, ‚Gegenwart‘ zu denken, das heißt, die Vorstellung von der Gegenwart gegenüber einer fälschlich objektivierten Tradition behauptet zu haben“. Zu entwerfen ist ein Romantik-Bild, das die Romantik in ihrer eigenen Gegenwart als Auseinandersetzung mit dieser neu konturiert – und damit all jene Deutungen korrigiert, welche die Romantik weiterhin als letztlich reaktionäre, mindestens aber ins Zwielicht deutscher Sonderwegs-Thesen zu setzende Abwendung von Aufklärung, Vernunft und Modernisierung zu konturieren versuchen.

Drei mögliche Fragekomplexe und Zugänge zur Gegenwart der Romantik zeichnen sich ab: zum ersten sind die spezifischen Zeit-, Geschichts- und Gegenwartsbegriffe herauszuarbeiten, derer sich die Romantik in ihren verschiedenen Phasen und Ausprägungen bedient hat; zum zweiten ist der Frage nachzugehen, welche literarischen und publizistischen Schreibweisen die Romantik entwickelt, um selbst an ihrer Gegenwart teilzunehmen und diese zu transformieren; zum dritten ist zu verfolgen, welche Aktualisierungen die Gegenwart der Romantik in jeweils ganz anderen Gegenwarten des 19., 20. und 21. Jahrhunderts erfahren hat und weiterhin erfährt. In allen drei Hinsichten bildet dabei nicht nur das ideengeschichtliche Potential der Romantik, sondern vor allem seine literarische und publizistische Ausprägung den entscheidenden Fragehorizont. 

 

Als Jahrestagung der Friedrich-Schlegel-Gesellschaft wird die Konferenz vom 18.-20. September 2023 am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald stattfinden.

 

Informationen und Kontakt:

Prof. Dr. Klaus Birnstiel
Juniorprofessor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft
Universität Greifswald, Institut für Deutsche Philologie
Rubenowstr. 3, Zi. 1.20
17489 Greifswald
Tel.: +49 (0)3834 420 3405
e-mail: klaus.birnstieluni-greifswaldde