Sandra Markiewicz

Arbeitsbereich: Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie
 
Betreuer: Prof. Dr. Eckhard Schumacher
 
Arbeitstitel
Talking Bodies. Körper, Techniken und Literatur
 
Abstract
Der menschliche Körper ist seit jeher ein zentrales Element unserer (un)bewussten Alltagswahrnehmung und der wissenschaftlichen Anthropologie verschiedenster Disziplinen. Mit der Postdigitalität wird immer wieder der Verlust von Körperlichkeit durch soziale Medien konstatiert und nach einer Neudefinition des Körpers verlangt: „‚Körper-Vorstellungen und Repräsentationen vom Körper verschieben sich oder sind nicht mehr haltbar. Der Körper kann nicht mehr selbstverständlich personale Identität garantieren.“ (Müller 2001) Identitätsbildung findet nicht zuletzt über Zugehörigkeits- und Abgrenzungsmechanismen statt, über Normbildungen, die häufig auf Körper bezogen sind und global gravierende Auswirkungen auf unser soziopolitisches Miteinander haben. Um diese Prozesse zu verstehen, ist neben geisteswissenschaftlicher Theoriebildung ein vertiefender Blick u.a. auf die Kognitionsforschung sinnvoll. Sie bringt Klarheit in die Frage, wie Gedanken, Stereotypen, Affinitäten und Aversionen sowie Handlungsmotivationen in und an unserem Körper gebildet werden, wie die Körperlichkeit anderer auf uns rückwirkt, und wie auch geschriebene Sprache unseren Geist, unser materielles Gehirn neuroplastisch beeinflusst. Ein Verständnis dieser Abläufe ermöglicht neue Perspektiven auf die aktuelle Rolle von Literatur und Literaturwissenschaft.
Ziel der Dissertation ist es somit, die sozial relevante Interdependenz von Körper, Wahrnehmung, wertender Urteilsbildung und Literatur interdisziplinär zu untersuchen. Hierzu werden geisteswissenschaftlich bislang wenig bis gar nicht beachtete, aktuelle Erkenntnisse v.a. aus verschiedenen Grundlagenfächern der Psychologie, der Neurobiologie sowie aus sozial- und kulturwissenschaftlichen Forschungsgebieten mithilfe des entsprechend modifizierten Konzepts der Somatechnics synthetisch in den literaturwissenschaftlichen Diskurs eingearbeitet. Es werden Prozesse der normierenden, körperbasierten Urteilsbildung interdisziplinär auf verschiedenen Abstraktionsebenen ergründet, um in einem weiteren Schritt dazu reziprok wirkende, diskriminierende biopolitische und soziale Praktiken aufdecken, analysieren, sowie ihre Verbindung zur Gegenwartsliteratur herausarbeiten zu können.

Förderung: Bogislaw-Stipendium der Universität Greifswald (seit April 2020)