Tobias Surborg

Arbeitsbereich: Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie
 
Betreuerin: Dr. habil. Heide Volkening
 
Arbeitstitel
Büro-Landschaft. Robert Walsers literarische Orte und die Moderne
 
Abstract
In zahlreichen Texten des 19. beziehungsweise 20. Jahrhunderts (so etwa in Wilhelm Raabes Die Akten des Vogelsangs, Herman Melvilles Bartleby, the Scrivener oder Franz Kafkas Das Schloss) gerät die Bürokratie zum wesentlichen Bestandteil des Narrativs. Dort, wo durch die Großstadt zuvorderst räumliche Spannungen hinsichtlich Natur und Landschaft und vice versa bestehen, entwickelt sich in der literarischen Moderne das Büro zum bemerkenswerten Schauplatz: Angesichts der herrschenden Verwaltungsform wird dieser Raum nachgerade unverzichtbar, weil in ihm alle wichtigen Verwaltungstätigkeiten stattfinden, die zur Verwaltung der Bevölkerung als auch der Wirtschaft notwendig sind.
Das Projekt hat seinen Ausgang in Robert Walsers Texten über Angestellte: In der Textammlung namens Im Bureau. Aus dem Leben der Angestellten, die von den beiden Walser-Forschern Lucas Marco Gisi und Reto Sorg im Jahr 2011 herausgegeben wurde, erweist sich das Büro womöglich als räumlicher Gegenentwurf zur Natur beziehungsweise zur Landschaft. Damit ließe sich zugleich das einschlägige Verhältnis von Großstadt – Natur – Landschaft noch anders verstehen: an die Stelle der Großstadt rückt das Büro. Walsers Texte Angestelltenstücke beinhalten zudem humoristische Elemente, die durch den Rückgriff auf räumliche Gegebenheiten rationalisierte bürokratische Tätigkeiten ironisieren. In diesem Zug werfen sie auch die Frage nach der Beziehung von Protagonisten und den ihm umgebenden Raum auf.
Die Arbeit untersucht mithilfe prominenter Raumtheorien (Juri Lotman, Michail Bachtin) und einschlägiger Texte von Siegfried Kracauer und Georg Simmel sowie zeitgenössischen Texten zur Bürokratie die räumlichen Beziehungen in Angestelltentexten von Robert Walser. Seine Werke könnten sich darüber hinaus als Grundlage erweisen, weitere moderne Texte derselben Gattung auf ihre räumliche Verfasstheit zu untersuchen.