Ulrike Wolter

Arbeitsbereich: Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie
 
Betreuer: Dr. Eva Blome (Vertr.-Prof. Uni Hamburg)
 
Arbeitstitel: 
Androgyne Schreibweisen. Androgynie und Intersexualität in (deutschen) Gegenwartsromanen.
 
Abstract:

Spätestens seit der griechisch-römischen Antike ist die Vorstellung von Androgynität Teil unserer Kultur. Platons Kugelmenschen oder der Mythos um Hermaphrodit aus Ovids Metamorphosen sind nur zwei Beispiele für die Trennung bzw. Vereinigung der Geschlechter. Verdeutlichen sie zum ei- nen den Status androgyner Wesen als etwas Besonderes, gar Gottähnliches, stellen sie zugleich die Frage nach der Verkörperung dieser Androgynität, die sich im heutigen Begriff der Intersexualität fassen lässt.

Besonders seit der Jahrtausendwende widmen sich Romane verstärkt diesem Thema, indem sie intersexuelle Figuren in den Mittelpunkt der Handlung stellen. Daher geht dieses Dissertationsprojekt in einem ersten Schritt der Frage nach, wie mithilfe der Darstellung intersexueller Figuren land- läufige Vorstellungen im Hinblick auf den männlichen/weiblichen Körper dekonstruiert werden. So wird in Texten der deutschen Gegenwartsliteratur, wie z.B. bei Ulrike Draesner und Sybille Berg, der Hermaphrodit zur Herausforderung für die Heteronormativität seiner Umgebung. Abseits der körperlich manifesten Intersexualität sind auch jene Figuren von besonderem Interesse, die sich in ihrem Verhalten durch ein androgynes Agieren zwischen den Geschlechterrollen auszeichnen.

In einem zweiten Schritt wird der Verbindung von dieser inhaltlichen Ebene mit einer androgynen Schreibweise nachgegangen. In Auseinandersetzung mit der écriture féminine und dem historischen Diskurs um den männlichen Stil, versucht diese Arbeit Antworten auf die Frage zu finden, was weibliches, was männliches und was letztlich androgynes Schreiben sein kann?