Ausstellung im "Münchner Zimmer"

 

Allein 10.000 Bücher, aber auch unzählige Zeitschriften und Briefe, die zum Nachlass des Schrift-stellers Wolfgang Koeppen (1906 bis 1996) gehören, belegen eine Sammelleidenschaft, die vor allem dem bedruckten oder beschriebenen Papier gilt. Sie lässt Koeppen scheinbar ebenso von den Schulheften der Mutter, den Briefen und Karten der Familie bis zu den Anschreiben des Vormundschaftsgerichts alles bewahren. Zu den besonderen Schätzen zählen die Sammelalben, angefüllt mit Ansichtskarten aus aller Welt oder besonderen Motivpostkarten.

Mit Charme berichten die über einhundert Jahre alten Artefakte von persönlichen Ereignissen der Familie Köppen und veranschaulichen zugleich eine Zeit, in der Papier ein wichtiges Medium war und sich Zeitgenossen über eine grassierende Sammelwut beklagten. Die Ausstellung scheint eine Bemerkung Marcel Reich-Ranickis zu bestätigen, der im Gespräch mit Wolfgang Koeppen und mit Blick auf dessen Familiengeschichten 1985 konstatiert: „… was immer passiert, es wird zu einem Roman oder einem Drama in Ihren Augen“.

 Öffnungszeiten Di - Sa 14 bis 18 Uhr · Eintritt frei

Eine Besucherin der Ausstellung übt sich im "Schönschreiben" mit der Feder so wie Maria Köppen 1890 in einem der Schulhefte.
Aus dem Nachlass Marie Köppens (1877 bis 1925): Tanzkarte von 1899 offenbar mit einem Eintrag von Reinhold Halben (geb. 1877).
© Fotos: Jan Burwitz

Vergangene Ausstellungen

„... gefangen im Auge der Kamera ..."

Ausstellung im "Münchner Zimmer" vom 23. Juni 2017 bis zum 25. Mai 2018

 

Auf offiziellen Bildern präsentiert sich Wolfgang Koeppen zumeist als ernsthafter Schriftsteller, am Schreibtisch sitzend oder vor einer Unmenge an Büchern, immer umgeben von der Aura des Belesenen. Diese Stilisierung entsprach durchaus den Erwartungen seiner Leser.  Die Ausstellung des Wolfgang-Koeppen-Archivs zeigt im „Münchner Zimmer“ hingegen private Aufnahmen aus dem Nachlass des Schriftstellers, deren Faszination gerade von ihrer Unvollkommenheit ausgeht.

 

In gelöster Atmosphäre lässt sich Koeppen mitunter in launigen Momenten ablichten oder nimmt sich als Fotograf selbst in den Blick. Zuweilen fällt dieser durchs Objektiv auf sein unerlässliches Handwerkzeug, die Schreibmaschine. Mit fotografischen Inszenierungen um 1900, aber auch Aufnahmen aus verschiedenen Dekaden des 20. Jahrhunderts sowie einer analogen Diashow erinnert die Ausstellung zugleich an Entwicklungen in der Geschichte der Fotografie.

Wolfgang Koeppen in München Ende der 1970er Jahre. Diavorlage aus dem Nachlass WKA.
Ausstellungseröffnung durch Prof. Dr. Eckhard Schumacher und Andrea Werner

Koeppentage 2016

Koeppentage 2016

Ausstellungseröffnung durch Prof. Dr. Eckhard Schumacher

"In Greifswald wurde ich geboren, das lässt sich nicht leugnen..."

    

 Ausstellung im "Münchner Zimmer" vom 21. Juni 2016 bis Mai 2017

 

„Es hat Dichter gegeben, die sich angeregt fühlten durch eine schöne Landschaft, durch ein Gebirge, durch die See, und die da Wunderbares geschrieben haben“, erklärt der Schriftsteller Wolfgang Koeppen in einem Gespräch. Doch „es konnte auch sein, daß man sich in einer bestimmten Stadt unwohl fühlte […], aber dieses Unwohlsein, diese Schwierigkeiten, die die Stadt und das Leben in ihr mit sich brachten, regten immer wieder zur Produktion an“.

 

Nicht von ungefähr scheint es, als spreche Koeppen vom eigenen Erleben. Über seine Geburtsstadt wird er später schreiben: „Ich glaube, ich wollte schon im Mutterleib nicht in Greifswald sein.“ Dennoch kehrt er immer wieder hierher zurück – allerdings sind es zunächst literarische Streifzüge, auch wenn diese pommersche Provinzstadt für ihn „von Natur her ein bescheidener und kleinerer Fundort“ ist. Im Jahr 1976 erscheint unter dem Titel Jugend ein besonderer Prosatext, der zugleich das besondere Verhältnis des Autors zu seinem ersten Lebensort widerspiegelt.

 

Die Ausstellung im "Münchner Zimmer" lotet nicht nur dieses Verhältnis aus, sie skizziert zudem die Entstehungsgeschichte von Jugend und unternimmt den Versuch, die literarischen Erinnerungen an ein Leben in Greifswald Anfang des 20. Jahrhunderts anhand persönlicher Dokumente aus dem Nachlass des Autors anschaulich zu machen. 1985 ist Koeppen nach mehr als einem halben Jahrhundert wieder in Greifswald, doch die Stadt, die er sucht, findet er nicht mehr.

 

 

 

 

Bisherige Ausstellungen

2015 „Der geborene Leser, für den ich mich halte…“ – Wolfgang Koeppens Lektüren.

2014
Verzettelt, verschoben, verworfen. – Wolfgang Koeppens Schreibkrisen.

2013
Reiseandenken. Koeppens unbeschriebene Ansichtskarten.

2013 „ich habe keine Heimat“ – Heimat(-losigkeit) bei Wolfgang Koeppen.

2013 Emanuel Voß. Ein Leben für das Greifswalder Theater.

2012 „Auf vielen Schreibmaschinen wird das alte Garn weitergesponnen.“

2011 Treibhausatmosphäre im "Münchner Zimmer“.

2010 Wolfgang Koeppens Amerikafahrt.