Unterrichtsidee zu „Holt Stopp!“

(Sekundarstufe)

 

Für dieses Gedicht liegen Umsetzungsideen sowohl für den Niederdeutsch- als auch für den Musikunterricht vor.

Die Materialien verstehen sich als Anregung. Die Lehrkraft entscheidet selbst, ob sie eine oder mehrere Stunden für das Gedicht verwendet, ob sie die gesprochene oder gesungene Audiodatei wählt und welches Arbeitsmaterial sie nutzen möchte.

Gedichttext

Gedichttext mit Interlinearübersetzung

Umsetzungsideen

Downloads

Illustration mit einem aufgeschlagenen Buch im Mittelpunkt. Die Buchseiten sind leer und formen auf der linken Seite ein Meer mit Wellen auf dem ein kleines Papierboot treibt. Auf der rechten Seite hasten Menschen und Tiere in unterschiedliche Richtungen durch das Buch, einige zu Fuß, andere mit Gepäck, auf einem Roller oder mit einem Fahrrad. Am Rand steht eine Figur mit rotem Mantel und beobachtet die Szene.
Illustration: Stephanie Wunder

Mögliche Unterrichtsziele:

 

Niederdeutschunterricht:

  1. Die SuS trainieren ihre Leseverstehenskompetenz, indem sie das Gedicht über Schlüsselwörter erschließen.
  2. Die SuS trainieren ihre Sprachkompetenz, indem sie eine Parallelstrophe entwickeln und sinnverwandte Phrasen finden.
  3. Die SuS tragen das Gedicht vor und geben sich gegenseitig Feedback.

 

Musikunterricht:

  1. Die SuS trainieren ihre musikalischen Analysefähigkeiten in Hinblick auf Rhythmus und Instrumentierung, indem sie unterschiedliche Kompositionen vergleichen und eigene Umsetzungen erarbeiten.
  2. Die SuS eignen sich einen fremdsprachigen Liedtext an, indem sie den Song lernen und gemeinsam singen. 

Gedicht, eingesprochen von Petra Schwaan-Nandke

Song, gesungen von Seeside


Sachanalyse

Über das Gedicht

Das Gedicht ist in vorpommerschem Niederdeutsch verfasst und es erschien erstmals 1907 in der Zeitschrift Meggendorfer Blätter. Es stammt somit aus der ersten Hochphase (Berlin) des literarischen Schaffens Martha Müller-Grählerts und kann als Erfahrung und kritischen Reflexion der pulsierenden Großstadt Berlin gelesen werden. Weitere Publikationen erfolgen im Gedichtband Sünnenkringel Bd. 1 (Auflage 1 und 2 (1925/1927)).

Das Gedicht handelt thematisch vom alltäglichen (großstädtischen) Getriebensein durch Zeitdruck, permanente Anforderungen und Lebenssorgen. Die erste Strophe widmet sich der Natur, mit Wellen als Sinnbild der Wiederholung, des unaufhörlichen Auf und Ab. Die zweite Strophe fokussiert die Menschen im Stress und Wechselspiel des Lebens. Die dritte Strophe präsentiert als Ausweg die Bitte an Gott nach Lebenssinn. Der Titel Holt Stopp! ist ein Ausruf (im Sinne von Halt an!), eine Aufforderung zum An- und Innehalten mit explizitem Ausrufezeichen. Struktur: Das Gedicht ist in drei Strophen mit je 9 Versen gegliedert, wobei die Phrase Holt Stopp! sich am Ende jeder Strophe refrainartig wiederholt. Formal kennzeichnend ist ein Kreuzreim und ein jambischer Rhythmus, bei dem sich vier- mit dreihebigen Zeilen abwechseln. Der Ausruf wiederholt sich in Form einer Epipher im Text dreimal (V. 9, 18, 27) und wird als Dunnerwuurt gerahmt. Es kann als Ausruf der Abwehr, Grenzziehung, Wut aber auch Verzweiflung und Resignation gelesen werden. Stilmittel: Zahlreiche Parallelismen betonen die Wiederholungen, das Auf und Ab, das Rhythmische, das Maschinenartige. Syntaktisch gleichartige Strukturen (V. 5, 11, 14) mit Dopplungen von synonymen bzw. bedeutungsähnlichen Wörtern in Form verschiedener Tautologien (V. 5, 6, 12) werden mit expliziten Wiederholungen (V. 15) sowie der jeweils strophenschließenden Epipher des Titels (V. 9, 18, 27) ergänzt. Besonders die zweite Strophe wirkt dadurch gedrängt und fast atemlos.


Umsetzung im Unterricht

Niederdeutschunterricht

VOR

Die SuS hören jeweils die erste Strophe der Vertonungen von Siggi Scholz und SEESIDE. Sie tragen jeweils passende Adjektive zusammen und schildern, welche Wirkung die unterschiedlichen Vertonungen auf sie haben (Plenum).

WÄHREND

Je nach Kompetenzniveau der Klasse kann hier erneut mit der Seeside-Vertonung (erhöhtes Niveau) oder mit der Sprachaufnahme gearbeitet werden.

Die SuS untersuchen unter Anleitung der LK die erste Strophe im Hinblick auf Schlüsselwörter, um das Thema der Strophe zu benennen. Sie erkennen Parallelismen als prägendes Stilmittel (Gedichttext).

Die zweite und dritte Strophe wird von den SuS selbständig in Gruppen- oder Partnerarbeit untersucht. Sie markieren Schlüsselwörter und -phrasen und benennen jeweils das Thema der Strophe.

Um einen Lebensweltbezug zu den SuS herzustellen, verfassen sie eine Parallelstrophe zu Strophe 2, indem sie Nomen oder Adjektive durch eigene ersetzen (AB1). Der Fokus liegt hier auf möglichen Stressoren der SuS (Kriege, Alltag, Klimakrise, Leistungsdruck ...).

Zur Auswertung der Texte werden einige Beispiele ausgelost und anonymisiert verlesen.

Die SuS beschreiben, welchen Ausweg das lyrischen Ich in Strophe 3 formuliert und übertragen das ggf. auf eigene Erfahrungen. 

Mit Aufgabe 2 des Arbeitsblattes kann der Fokus auf sprachstrukturelle Aspekte verschoben werden. Die SuS finden alternative Formulierungen zur Aufforderung „Holt Stopp!“. Dabei handelt es sich um zwei Interjektionen, während sie für ihre Umformulierungen in vielen Fällen den Imperativ Singular nutzen. 

AB1 Parallelstrophe

NACH

Die SuS wählen eine Strophe aus und üben, sie laut und inhaltsangemessen vorzulesen. Als Unterstützung dient die Übersicht „Gedichten vörläsen – Kriterien“ (AB2a). 

Da im Anschluss an die Präsentation ein Peerfeedback gegeben werden soll, können im Vorfeld Regeln und Phrasen mit Hilfe der Übersichten „Up Plattdüütsch Feedback gäwen“ (AB2b) besprochen werden.

Für das Vortragen können die SuS zwischen zwei Möglichkeiten wählen:

Variante 1: Rhythmisches Lesen, ggf. mit eigener Percussionunterstützung (als Partner- oder Gruppenarbeit)

Variante 2: individuell gewählte Vortragsweise

Die Klasse gibt Feedback mit vorgegebenen Phrasen der Übersicht „Up Plattdüütsch Feedback gäwen“ (AB2c).

AB2 Gedichtvortrag/Peerfeedback


Fächerübergreifend: Musikunterricht

Die SuS hören jeweils die erste Strophe der Vertonungen von Siggi Scholz und SEESIDE. Sie stellen Vermutungen zum Inhalt des Textes an (Plenum).

Je nach vorhandener Sprachkompetenz übersetzen die SuS das Gedicht oder nutzen die Version mit Interlinearübersetzung, um sich den Inhalt zu erschließen.

Die SuS lernen den Song und singen ihn gemeinsam.

Mithilfe der Sprachaufnahme eignen sich die SuS den Text an, sodass sie ihn rhythmisch vorlesen können. Sie wählen in Gruppenarbeit Musikinstrumente und/oder Bodypercussionelemente aus, um einen passenden Rhythmus zu erzeugen und stellen die Ergebnisse vor. Die anderen Gruppen reflektieren die Wirkung.

Ausgehend von den unterschiedlichen Arbeitsergebnissen und den vorliegenden Vertonungen machen sich die SuS Gedanken über eigene Adaptionen dieser Fassungen oder eigene Kompositionen.


Dateidownload

Weiterführende Materialien/Links

- Gedichtversion mit Mouseover-Übersetzung auf niederdeutsche-literatur.de

- Vertonung von Siggi Scholz (Spotify-Link)